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Rheinpfalzbericht
vom 24.08.2006
LINGENFELD.
Den 24. August 2003 werden die Familie sowie die zahlreichen
Freunde und Bekannten von Elron Tibor Gerstner nie vergessen:
Im Alter von 18 Jahren verstarb der lebensfrohe Lingenfelder
an den Folgen eines Motorradunfalls. Die Art und Weise,
wie dessen Mutter Karin Heber-Gerstner und Stiefvater
Peter Heber mit dem schmerzlichen Verlust umgehen, ist
ungewöhnlich, jedoch sehr beeindruckend: Neben der
Errichtung einer Gedenkstätte am Unfallort, an der
K 31 zwischen Lingenfeld und Germersheim, haben sie eine
Homepage erstellt, die an Elron Tibor erinnert.
Die Internet-Seite, die unter der Adresse "www.elron-tibor.de"
aufgerufen werden kann, umfasst Infos und Bilder von dessen
Kindheit sowie Jugend, seinen Hobbys bis hin zum Unfallort,
der Beerdigung und der letzten Ruhestätte. Weiter
sind Briefe an die Eltern und Gedichte von Elron Tibor
dort zu finden. Interessenten stoßen auf die in
Worte gefassten Gefühle seiner Mutter, erfahren Wichtiges
über das Thema "Trauer", können sich
ins Gästebuch eintragen oder direkten Kontakt mit
der Familie aufnehmen.
"Es gibt große Unterschiede bei der Auffassung
über die Trauerbewältigung: Ob man nur voll
Hass und Zorn ist oder in Liebe an das Leben und die guten
Taten des Verstorbenen denkt und diese Liebe in einem
selbst weiter leben lässt", sagt Karin Heber-Gerstner
und gibt im Gespräch mit der RHEINPFALZ an, einen
"eigenen Weg gewählt" zu haben. Elron Tibor
sei sehr aktiv gewesen und habe durch seine offene, menschenfreundliche
und hilfsbereite Art viele Freunde gewonnen. "Er
hat sich früh auch für andere engagiert und
war für sein Alter sehr reif", pflichtet Stiefvater
Peter Heber bei.
Die guten Kontakte zu Elron Tibors großem Freundeskreis
bestünden noch heute: "Sie kommen zu uns ins
Haus, und wir genießen das sehr. Wir ernten heute
das, was er über Jahre aufgebaut hat", beschreibt
Peter Heber sein "Gefühl der Dankbarkeit".
Die Nachricht über den Tod ihres Sohnes sei sehr
schlimm gewesen, verhehlt Karin Heber-Gerstner nicht:
"Ich glaube, dass jeder ein Buch hat, in dem sein
Schicksal steht. Sein Buch war vor drei Jahren beendet".
Eine Freundin von Elron Tibor habe sie auf Internet-Seiten
von Familien aufmerksam gemacht, die das gleiche Schicksal
ereilt habe. "Ich habe mir das angeschaut und war
begeistert, dass die Erinnerungen auf diese Weise für
jeden zugänglich sind. Ich wusste, was ich wollte
und habe entsprechende Texte verfasst." Ein Jahr
nach Elron Tibors Tod sei die Seite eingerichtet worden.
Diese soll "eine Hilfe für alle sein, mit der
Trauer umzugehen", so die Mutter: "Wir wollen
nicht nur trauern, sondern die Seite soll daran erinnern,
wie er war, was er wollte, was er tat und wie viel Liebe
er gegeben hat".
Die Seite werde auch von der Familie genutzt: "Wir
lesen uns die Inhalte immer wieder durch, um uns sein
Leben ins Gedächtnis zu rufen. Dann ist Elron Tibor
noch näher bei uns", fügt dessen Stiefvater
an. Dieser Glaube tue seiner Familie gut: "Wir können
mit ihm reden, ganz gleich, wo wir sind, er ist immer
bei uns". Trauer sei nicht von heute auf morgen zu
vergessen. Besonders stark sei diese an Feiertagen und
Familienfeiern, gibt Karin Heber-Gerstner zu.
Die Aussage von Personen, man müsse doch irgendwann
mit dem Verlust eines Angehörigen abgeschlossen haben,
bezeichnet sie als "Taktlosigkeit Trauernden gegenüber":
"Das Verständnis ist sehr rar. Die Leute haben
Angst vor dem eigenen Tod und schieben das Thema weg".
Die Homepage sei auf eine große Resonanz gestoßen.
Über 17.200 Zugriffe aus Deutschland sowie auch aus
dem Ausland würden dies belegen. Ebenso habe man
Anrufe bekommen, offene Gespräche mit Leidensgenossen
geführt und auch anderen dabei Mut gemacht. Laut
Peter Heber gab es auch Anfragen von Personen, ob sie
gewisse Passagen der Homepage übernehmen dürften.
"Da haben wir nichts dagegen. Dies zeigt nur, dass
wir es gut gemacht haben".
Die Homepage sei auch in Elron Tibors Sinne: "Das
hätte er zu Lebzeiten akzeptiert", ist sich
seine Mutter sicher. Auch die positive Resonanz seiner
Freunde zeige, "dass der gegangene Weg der richtige
war". Nur bei wenigen Menschen sei die Homepage auf
"ein gewisses Unverständnis" gestoßen,
da Familienangelegenheiten so offen dargelegt würden
und die Seite einen zu starken Einblick in die Privatsphäre
gewähre.
Nach drei Jahren Trauerzeit wolle man die Internetseite
um einen Beitrag erweitern und "ein Resümee
ziehen, wie es uns in diesem Zeitraum ergangen ist",
informiert Peter Heber: "Was kann mir passieren,
außer dass ich denjenigen, den ich verloren habe,
wiedersehe", beschreibt er eindrucksvoll seine Gedanken
über den Tod. Das Schlimmste sei, wenn Leute in Gesprächen
das Schicksal von Elron Tibor bewusst ignorieren: "Uns
ist lieber, wenn das Thema angesprochen wird und Elron
Tibor erwähnt wird", so die Eheleute: "Man
muss sich mit der Trauer beschäftigen und sie durchleben:
Den eigenen Tod stirbt man, aber mit dem Tod der anderen
muss man leben. Wir versuchen daher so offen wie möglich
mit der Trauer-Thematik umzugehen, um anderen zu zeigen,
das Leben geht weiter".
Seit dem Tod von Elron Tibor würden sie viel intensiver
und bewusster leben, erzählen die Eheleute: "Wir
können uns nun auch über Kleinigkeiten freuen
und nehmen uns viel Zeit füreinander." Dies
fehle vielen Menschen heutzutage. Drei Jahre nach dem
Tod ihres Kumpels werden heute wieder zahlreiche Freunde
und Bekannte mit Elron Tibors´ Familie den Friedhof
besuchen. Im letzten Jahr ließen sich 15 Jugendliche
diesen für sie wichtigen Gang nicht nehmen. (nti)
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